Mit einer von protoTYPE finanzierten Stiftungsdozentur gibt es an sieben deutschen Hochschulen im Sommersemester 2012 einen Anknüpfungspunkt für Studierende: Angeboten wird jeweils ein Blockseminar zum Thema „E-Publishing – Neue Vertriebswege im Zeitalter des Internets für die Verlagsbranche“. Martina Krammer, Studentin an der Ludwig-Maximilians-Universiät berichtet heute über ihre Eindrücke und die im Seminar entstandenen Ideen.

Eindrücke vom Seminar:
Das Seminar fand an der LMU München im Studiengang Buchwissenschaft statt. Es nahmen Studenten aus dem Aufbau-, dem Bachelor- und dem Diplom-Studiengang teil. Im Mittelpunkt der Diskussionen stand zunächst mehr die Grundidee des Projekts, die meist aus persönlichen Erfahrungen bzw. Problemen aus dem Alltag entstand. Wir versuchten, uns nicht an Details aufzuhängen, sondern vielmehr den USP der Geschäftsidee herauszuarbeiten.

Es wurden insgesamt vier Ideen entwickelt:
• MinorityBooks: ein Portal, das originalsprachige Studienliteratur aus dem skandinavischen, südostasiatischen und arabischen Sprachraum digital in der jeweiligen Muttersprache des Käufers anbietet.
• Universe: eine Plattform mit geisteswissenschaftlichen Abschlussarbeiten, welche für Studenten und Wissenschaftler kostenfrei zur Verfügung steht.
• YOU GOT A GIFT!: ein digitales Geschenkverpackungs-Tool, welches Online-Buchhändler in ihre Shops integrieren können.
• E-Book & Friends: eine App, auf welcher Nutzer E-Books aus dem Bereich Belletristik kaufen und einem Freund zum kostenfreien Lesen zur Verfügung stellen können

Die Geschäftsideen waren, v.a. in Anbetracht des knappen Zeitrahmens von zwei Nachmittagen, gut durchdacht und befriedigten alle tatsächlich existierende Bedürfnisse der Akteure auf dem Buchmarkt. Martin Fröhlich unterstützte alle Teams mit großem Enthusiasmus und wertvollen Hinweisen und Erfahrungen.

An welchen Projekt bist Du beteiligt und warum braucht es diese Idee?
Ich gehöre zum Projekt E-Book & Friends, welches auf dem Prinzip Empfehlungsmarketing unter Freunden basiert und eine All-in-One-Lösung für E-Book-Leser anbietet: der Kunde kann auf einer Plattform E-Books kaufen, lesen, bewerten, aus- und verleihen. Dabei kann er einerseits auf die Empfehlungen seiner Freunde vertrauen und andererseits seine Freunde mit einem persönlichen Tipp überraschen.
Die Idee braucht es unserer Meinung nach, da sie den Trend social media aufgreift und das Verleihen von gedruckten Büchern auf E-Books überträgt und sogar vereinfacht. Verlage erhalten einen Einblick in das filesharing der User und lernen so das Kauf- und Leseverhalten ihrer Kunden besser kennen.

Wie siehst Du die Buchbranche heute?

Die Haltung in der Buchbranche gegenüber neuen technischen Entwicklungen ist meiner Meinung nach sehr unterschiedlich. Momentan habe ich den Eindruck, dass viele Verlagen planen, digitale Produkte auf den Markt zu bringen, jedoch angesichts der rasanten Entwicklungen, der vielen Möglichkeiten und der immer noch fehlenden durchgesetzten Standards weiter in abwartender Position bleiben. Diese Situation nutzen viele Start-Ups aus dem IT-Bereich und drängen als neue Teilnehmer auf den Buchmarkt.
Insgesamt denke ich, dass die Buchbranche sich momentan in einer sehr spannenden Phase befindet, die viele neue Möglichkeiten eröffnet und auch noch einige Zeit anhalten wird.

Welche Entwicklungen der Branche sind für Dich zukunftweisend bzw. werden in den nächsten 10 Jahren den Markt verändern?
Ich glaube nicht, dass die Buchbranche in den nächsten 10 Jahren komplett umgekrempelt wird. Dennoch denke ich, dass ein großer Trend, dem die Branche folgen wird und den sie für sich nutzen wird, das Thema mobiles Internet ist. Viele Verlage werden ihr DRM immer weiter lockern (müssen) und neue Vertriebs- und Erlösstrategien entwickeln.

Wo begegnen Dir in Deinem Alltag Innovationen?
Eigentlich überall. Für mich bedeutet Innovation nicht unbedingt, das Rad neu zu erfinden, sondern eher, vorhandene Kundenbedürfnisse auch in Details kontinuierlich zu erkennen und auf flexible und evtl. auch unkonventionelle Weise zu befriedigen. Je mehr ich mich mit dem Thema Innovation auseinandersetze, desto mehr bekomme ich einen Blick für verbesserungswürdige Situationen im Alltag und deren mögliche Lösungen.
Für ein gutes Beispiel aus dem digitalen Bereich halte ich die App myTaxi. Innovativ ist für mich z.B. aber auch mein Bäcker um die Ecke, der seit dem Skandal um Müller Brot Führungen durch seine Backstube anbietet.

Was wünscht du Dir für die Branche und vom Börsenverein?
Ich wünsche mir für die Branche, dass sie, was neue Entwicklungen angeht, immer mehr von der Verteidigungs- in die Angriffsposition wechselt.
Der Börsenverein macht meiner Meinung nach bereits einen sehr guten Job mit Projekten wie protoTYPE. Ich wünsche mir, dass der Börsenverein weiter eine Plattform darstellt, auf der man sich vernetzen, austauschen und weiterentwickeln kann.

Kennst Du Projekte, die protoTYPE ähnlich sind?

Ich besuche momentan ein Seminar am Gründungszentrum UnternehmerTUM der TU München. Hier werden seit 2002 Geschäftsideen aus vielen verschiedenen Branchen entwickelt und gefördert. Man findet hier zwar nicht viele Buchbranchenkenner, bekommt dafür aber ständig neue Impulse durch die unterschiedlichen Denk- und Herangehensweisen der einzelnen Studiengänge und kann sehr gut Teamkollegen finden, deren Fähigkeiten sich mit den eigenen ergänzen.
Dennoch denke ich, dass protoTYPE ein sehr wichtiges Projekt für den Nachwuchs und die gesamte Buchbranche ist, da es in der Buchbranche viele Besonderheiten gibt, die sich nicht mit anderen Märkten vergleichen lassen.